von TM (Kommentare: 0)

Schwalbendrama

Das Wochenende in L. Beim bayerischen Nachbarn haben während der vergangenen Tage Mehlschwalben (Delichon urbicum) drei Nester gebaut, oder eher zwei und ein halbes.

In den vergangenen Jahren waren es die Rauchschwalben (Hirundo rustica), die dort gebaut und gebrütet haben. Das bayerische Ferienhaus ist relativ neu und wegen der Dachhöhe und Beschaffenheit zum Nestbau wohl geeignet. In den vielen Jahren davor bauten die Schwalben unter einem Terrassendach eines anderen Bungalows in der Nähe. Doch seit des bayerischen Neubaus wechselte die Gastgeberrolle. Auch in diesem Jahr hatten es die Rauchschwalben wieder versucht, wurden aber vermutlich beim Bau gestört oder gar behindert. Die Vorkehrungen am Dachüberstand lassen schon darauf schließen, dass man sich nicht soviel aus der Gemeinschaft mit den Vögeln macht. Die Rauchschwalben sind offensichtlich ausgewichen, haben in der Nähe eine andere Gelegenheit gefunden, besuchen aber weiterhin unsere „Ecke“. Inzwischen sind die Nachbarn auch wieder abgereist.

Die so noch freie Wand untern Dach wurde nun von den Mehlschwalben begehrt und, wie bereits erwähnt, genutzt. Einmal mehr war man überrascht, dass unter dem Dach gespannte Schnüre es nicht vermochten, die Schwalben vom Nesterbau abzuhalten. Offenbar waren der nahe schmutzige Strand, die fliegenden Insekten und die Umgebung es den Tieren wert, hier immer wieder die nächste Brut zu versuchen. Es war interessant zu sehen, dass das Verhalten der Mehlschwalben sich von dem der Rauchschwalben in einer Hinsicht deutlich unterschied. Auffällig war die Vielzahl der Tiere, die im Flug die Nester ansteuerten, um das sitzende Weibchen zu grüßen, zu prüfen oder vielleicht zu versorgen. Das war nicht so genau zu sehen, in jedem Fall bildeten sie aber in diesem Auftreten eine klar wahrnehmbare Gemeinschaft – jedenfalls waren es deutlich mehr als drei Brutpaare.

Und so hatten hatten die Schwalben ihr Tun und wir den neuen Anlass für Beobachtungen.

Plötzlich lautes und schrilles Rufen der fliegenden Schwalbenschaft ließ auf Gefahr für diese schließen. Es sei vorweggenommen, dass diese Situation von uns noch weitere Male erlebt wurden. An den Nestern machte sich, diese eines nach dem anderen besuchend ein größerer Vögel zu schaffen. Von uns entdeckt, flog er sofort in Richtung Wald. Da im Flug nur von hinten gesehen, vermutete ich einen Häher oder auch einen Specht. Dass der Eichelhäher räubert, weiß man ja, aber wahrscheinlicher war doch, dass es sich um einen Specht handelte. Das sollte sich dann beim zweiten „Alarm“ bestätigen, ein Buntspecht (Dendrocopos major) attackierte die Nester, unbeirrt vom Lärm der fliegenden Kavallerie hing er an den Nestöffnungen. Erst unser Erscheinen brachte ihn ab und ließ ihn fortfliegen.

Am Sonntag in der Frühe gab es zwei weitere Angriffe, der Lärm weckte mich und trieb mich aus dem Bett. Offensichtlich der gleiche Specht inspizierte wieder in grober Weise die Nester, die nun bereits arg gelitten hatten. Unbegreiflich, dass in einem der Nester immer noch eine Schwalbe saß, vielleicht ja schon auf Eiern. Anders war das nicht zu erklären. Zu stark hatten die Brutstätten gelitten.


Am Vormittag habe ich noch zwei weitere Anflüge des Spechts beobachtet. Da wir uns wieder in der Nähe aufhielten, drehte er wieder ab. Es war zu vermuten, dass er weitere Versuche unternehmen würde, mit welchem Ziel auch immer. Am kommenden Wochenende werden wir die Situation neu einschätzen.

Nachtrag

Do., 14.6., die Schwalbenwelt scheint wieder in Ordnung. Einfach erstaunlich, diese Hartnäckigkeit.

 

Fr., 15.6., am frühen Morgen klopft der Specht, die Zerstörung ist zurück.

Es bleibt ein Rätsel, warum?

 

Sa., 16.6., die Schwalben reparieren, an diesem Tag ungestört. 
Was mir bisher entging, weil schlecht einsehbar: auf den beiden äußeren Nestern wurde noch jeweils eins draufgesetzt. Doppelstock. Das erklärt annähernd die Menge der fliegenden Mehlschwalben.

 

So., 17.6., die Ordnung scheint wieder hergestellt.

 

Offensichtlich bemüht sich hier nun ein weiteres Paar um einen Bauplatz.

Nachtrag 2

Sa., 23.6., die Schwalbenwelt hat wieder Schaden genommen. Gestern war noch alles in Ordnung. Unschwer ist zu erkennen, dass der Specht wieder an den Nestern war. Üble Löcher hat er wieder in die beiden äußeren Nester geklopft. Die oberen lässt er in Ruhe, hier müsste er durch die angebrachten Schnüre hindurch.

Am Vormittag taucht noch eine Elster auf, die von den Mehlschwalben gemeinsam in Richtung Wald vertrieben wird. Man kann heftige attackierende Flüge beobachten. Es geht alles sehr schnell.

 

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